Die Enttäuschung bei Red Bull Racing war nach dem Großen Preis von Abu Dhabi greifbar. Für ein Team, das so entspannt ins letzte Wochenende der Formel-1-Saison ging, gab es offenbar dennoch die leise Hoffnung auf ein Wunder. Wochenlang lautete das Motto von Red Bull Racing, dass man nichts zu verlieren habe. Für den österreichischen Rennstall war es bereits ein kleines Wunder, dass
Max Verstappen überhaupt noch im Titelkampf war. Nach dem Großen Preis der Niederlande lag Verstappen schließlich 104 Punkte hinter dem WM-Spitzenreiter Oscar Piastri.
Dank Siegen in Italien, Aserbaidschan, Austin, Las Vegas und Katar gab es jedoch plötzlich die Chance, dass Verstappen in diesem Jahr doch noch Weltmeister werden könnte. Obwohl alle beteuerten, es sei ein Wochenende wie jedes andere, sprach das Nachspiel eine andere Sprache.
Der Einzige, der wirklich entspannt ins Wochenende ging, war Verstappen selbst. Man merkte ihm nach dem Rennen an, dass es ihn aufrichtig nicht störte, nicht zum Champion gekrönt worden zu sein. Er hat in dieser Saison alles gegeben, und es hat nicht gereicht. Für ihn ist das Ziel in der Formel 1 ohnehin bereits erreicht. Vier Titel hat er schon zu Hause. Ein fünfter wäre schön gewesen, aber wenn es nicht sein sollte, wird er keine Tränen vergießen.
Verstappen nicht von der Niederlage niedergeschlagen
Verstappen untermauerte diese Worte am Sonntag. Der Niederländer war der Erste, der Lando Norris nach dem Rennen gratulierte, und schien sich ehrlich für seinen Kollegen zu freuen. Schon vor einem Jahr hatte Verstappen ihm zugeflüstert, dass seine Chance kommen werde.
Die zermürbende Saison forderte beim Rest des Teams eindeutig ihren Tribut. Es war ein langes Jahr für Red Bull. Ein Team, das bis zur Entlassung von Christian Horner von einem internen Machtkampf zerrissen wurde, der seit Anfang 2024 andauerte.
Obwohl sich die Stimmung nach der Ankunft von Laurent Mekies drastisch verbesserte und das Team wieder als Einheit gut funktionierte, gab es immer noch viele im Team, die Horner unterstützten und seine Entlassung miterlebten.
Auf diesen internen Kampf folgte der Titelkampf. Nachdem man ihn zur Saisonmitte praktisch abgeschrieben hatte, kämpfte sich Red Bull im Fahrertitelrennen zurück. Das Team fand zunehmend das optimale Arbeitsfenster des RB21, und Verstappen nutzte es so gut wie möglich aus.
Dass innerhalb von Red Bull der Glaube an vielleicht das größte Comeback der Sportgeschichte gewachsen war, wurde anschließend im Fahrerlager deutlich. Red Bull hatte gerade ein Rennen gewonnen, und dennoch war die Enttäuschung in die Gesichter aller Red-Bull-Mitarbeiter gemeißelt, die aus der Garage kamen. Es reichte einfach nicht ganz.
Die Emotionen kochten bei Gianpiero Lambiase am höchsten.
Für Verstappens Renningenieur war das Jahr aufgrund persönlicher Umstände besonders hart, und nach dem Rennen brach alles heraus. Lambiase verpasste in dieser Saison auch zwei Rennen aus eben diesem Grund. Eine Trennung oder eine andere Rolle innerhalb des Teams steht jedoch nicht zur Debatte, wie
GPblog erfahren hat.
Marko denkt über seine Zukunft nach
Einer, der über seine Zukunft im Team nachdenken wird, ist
Helmut Marko. Der Berater von Red Bull Racing war anschließend sehr enttäuscht
darüber, dass er seinem Schützling Max nicht den fünften Weltmeistertitel sichern konnte. Eine Enttäuschung, die Marko offenbar auch sich selbst anlastete.
Marko sagte, er werde eine Nacht darüber schlafen, doch dass Marko 2026 definitiv zurückkehrt, ist alles andere als sicher. Obwohl der Österreicher einen Vertrag bis 2026 hat, ist dieses Jahr genug passiert, was ihn zu dem Entschluss bringen könnte, Schluss zu machen.
„Es ist komplex“, sagte Marko auf die Frage, warum er einen Rücktritt von seiner Rolle bei Red Bull in Erwägung zieht. Auch für den Österreicher war es eine lange und beschwerliche Saison. Mit 82 Jahren war Marko bei allen 24 Grands Prix anwesend und spielte zudem eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung, Christian Horner nach 20 Jahren als Teamchef und CEO zu entlassen.
Helmut Marko denkt über seine Zukunft bei Red Bull nach – Foto: Red Bull Content Pool
Seitdem hat sich bei Red Bull Racing einiges verändert. Marko scheint einen Teil seiner Macht verloren zu haben. Früher hatte er beispielsweise stets die volle Entscheidungsgewalt darüber, welche Fahrer für Red Bull Racing und die Racing Bulls antraten. Das ist nicht mehr der Fall.
Marko hat weiterhin eine Stimme, aber es gibt nun mehr gewichtige Stimmen. So haben etwa Laurent Mekies und Oliver Mintzlaff ebenfalls ein Mitspracherecht, wodurch sich Markos Präferenzen nicht mehr automatisch durchsetzen.
Eine Rolle werden auch die Erwartungen für 2026 spielen. 2025 könnte die letzte Chance gewesen sein, mit Verstappen einen WM-Titel zu gewinnen. 2026 steht Red Bull vor der gewaltigen Aufgabe, mit dem eigenen Motor auf Anhieb konkurrenzfähig zu sein. Das gleich im ersten Jahr gegen große Hersteller wie Ferrari und Mercedes zu schaffen, wäre eine enorme Leistung.
Das Ende der Ära Verstappen–Red Bull?
Sollte Red Bull 2026 nicht konkurrenzfähig sein, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Verstappen geht, erheblich. Der Niederländer entschied sich, Red Bull für 2026 die Treue zu halten, auch weil noch niemand weiß, wie die Hackordnung im nächsten Jahr aussehen wird. Sobald dieses Bild klar ist, wird der beste Fahrer im Feld voraussichtlich die freie Wahl haben, wohin er gehen möchte.
Die Niedergeschlagenheit bei Red Bull war daher nachvollziehbar. Es war noch einmal eine große Chance, den fünften Titel in Folge zu holen – etwas, das nur Michael Schumacher gelungen ist. Es wäre die Krönung einer glanzvollen Ära gewesen, in der Verstappen und Red Bull der Formel 1 gezeigt haben, wer das Sagen hat.
In weniger als zwei Monaten beginnt mit dem ersten Wintertest in Barcelona eine neue Ära. Wer wird dann den Ton angeben? Derzeit weiß es niemand.
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