Neuling Audi wird in der Motorendebatte hart von der Realität eingeholt. Obwohl das Team offen darüber klagt, dass der angebliche Mercedes-Kniff beim Antriebsstrang erlaubt ist, erkennt Audi, dass ein Protest dagegen wenig Sinn ergibt. Voller Ambitionen präsentierte sich das neue Audi-F1-Team der Welt in Berlin. Die deutsche Mannschaft will Weltmeister werden,
sogar das „erfolgreichste“ Team in der Geschichte des Sports. Das wird in der nächsten Saison wohl nicht passieren, da dem Antrieb der angebliche Mercedes-„Trick“ fehlt.
Audi im Hintertreffen
Im Vergleich zu diesem Hersteller hat Audi vermutlich ein Leistungsdefizit – groß genug, um im Voraus zu wissen, dass gegenüber den Mercedes-Teams ein Rückstand bestehen wird. Das ist eine bittere Pille für den Neuling.
Laut Audi hat der heimische Rivale die Regeln bewusst zu seinen Gunsten ausgelegt, was das Team von Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto für nicht im Sinne der FIA-Regelsetzung hält.
Audi gehört zu den Teams, die fordern, dass die FIA kurz vor Beginn der neuen Saison den von Mercedes erdachten „Trick“ mit dem Verdichtungsverhältnis (und Berichten zufolge von Red Bull Ford kopiert) verbietet. Ein kleiner Vorbehalt: Niemand – auch Audi nicht – weiß genau, wie der Mercedes-Motor funktioniert und ob dabei überhaupt etwas passiert, das nicht erlaubt ist.
Viel Aufregung zu verursachen, wirkt sinnlos, wenn man nicht einmal genau weiß, wogegen man sich stellt. Zudem ist die Formel 1 ein Innovationssport, in dem Teams und Fahrer stets die Grenzen des Erlaubten ausloten. Manchmal überschreiten sie diese, und dann greift die FIA ein.
Audis Kampf ist verloren
Der Motorsport-Weltverband hat die Entwicklung des Mercedes-Motors genau überwacht und ihn inzwischen homologiert. Es wirkt wie Wunschdenken seitens Audi, dass die FIA Mercedes (und möglicherweise Red Bull Ford) anordnen würde, Änderungen am Motor vorzunehmen – etwas, das ohnehin kurzfristig kaum umsetzbar ist.
Audi weiß, dass der Kampf verloren ist, doch mit einem offenen Protest zeigt das Team immerhin Sponsoren, Partnern, Fans, der FIA und anderen F1-Teams, dass es standhaft ist – auch wenn am Ende wenig dabei herauskommt. Unterdessen prüfen die Ingenieure in der Antriebsabteilung sicher bereits, ob sie den Mercedes-„Trick“ kopieren oder sogar verbessern können.
Gelingt Letzteres und verfügt Audi plötzlich selbst über einen großen Vorteil, werden die Proteste zweifellos schnell verstummen.