Die meisten Top-Teams haben in der zweiten Testwoche mit der Einführung von Upgrades begonnen – mit vielen interessanten technischen Lösungen.
Als die Tests wieder aufgenommen wurden, begannen die Teams mit einer Reihe von Updates, um Daten zu sammeln und diese mit den Basisversionen ihrer Autos zu vergleichen.
Mercedes und
Red Bull Racing brachten ein großes Paket an Updates, mit Änderungen am Unterboden und im Seitenkastenbereich, während
Ferrari ein interessantes Detail einführte, das eine Grauzone der neuen Vorschriften ausnutzt. Versuchen wir, alle während der ersten Testtage gesichteten Updates zu beschreiben.
Red Bull mit neuem Frontflügel und neuem Seitenkasten
Beginnend mit Red Bull Racing: Sie brachten am Mittwoch einen neuen Frontflügel und ein neues Seitenkastendesign. Der Frontflügel weist ein vollständig anderes Design der Grundebene und der Endplatte auf: Wie im Bild unten hervorgehoben, zeigt die neue Grundebene ein wellenförmiges Profil entlang ihrer Länge, während die alte Version eine spitzere Form hatte (hellblaue Pfeile und Linie).
Was die untere Schale der Endplatte betrifft, so zeigt die neue Version ein vertikales Winglet, das darauf abzielt, Wirbel zu erzeugen und den Outwash-Effekt zu begünstigen (grüner Pfeil und Kreis), während die vorherige Version eine Endplattenschale ohne Winglet aufwies.
Vergleich der beiden Frontflügel-Spezifikationen von Red Bull Racing in Bahrain – Bild: Race Pictures
Kommen wir nun zur Analyse des neuen Seitenkastendesigns: Die Ingenieure von Red Bull Racing verfolgten einen dem Jahr 2022 sehr ähnlichen Ansatz. Nach Tests einer „Basis“-Version ihrer Seitenkästen in den ersten beiden Sitzungen führten das von Laurent Mekies geleitete Team für die letzten drei Tage neue Seitenkästen ein.
Wie im Bild unten zu sehen ist, wies die alte Version (verwendet in Barcelona und letzte Woche in Bahrain) eine sehr kantige Form im Unterzug auf.
Vergleich des in Bahrain getesteten Seitenkastendesigns von Red Bull Racing – Bild: Race Pictures
Die neue Version zeigt hingegen etwa auf halber Höhe des Seitenkastens einen schärferen Einschnitt, der im unteren Bereich mehr Raum lässt – exakt, um einen Unterzug zu schaffen, der einen Kanal formt und große Luftmengen in Richtung Diffusor führt.
Ziel dieses neuen Designs ist es, zusammen mit dem neuen Frontflügel zu arbeiten und mehr Abtrieb aus der Karosserie zu generieren – fundamental, insbesondere in Highspeed-Kurven.
Mercedes mit neuem Unterboden und neuem Spiegelhalter
Bei Mercedes gab es ebenfalls größere Updates am Auto, insbesondere am Unterboden und an der Außenspiegelhalterung: Wie im Bild unten zu sehen, wurde der hintere Bereich des Unterbodens (vor den Hinterreifen) massiv überarbeitet.
Die kleine Klappe der bisherigen Version wurde entfernt und durch drei horizontale Einschnitte ersetzt, die in Richtung Hinterräder größer werden; sie wurden entwickelt, um die von den Hinterrädern erzeugten Turbulenzen besser zu managen (rote Pfeile).
Ziel dieser neuen Lösung ist es, die in das „Mausloch“ an der Rampe des Diffusors gedrückte Luftmenge zu maximieren, um den insgesamt erzeugten Abtrieb zu erhöhen.
Neues Unterbodendesign am Heck des Mercedes W17 – Bild: Race Pictures
Die Spiegelhalterung ist nun länger und hat die Form eines echten Winglets, um Wirbel zu erzeugen und sie entlang der Oberkante der Seitenkästen zu führen, wodurch jegliche Strömungsablösung in diesem Bereich vermieden wird.
Zudem wurde der untere Bereich des Unterbodens unter der seitlichen Leitwand leicht modifiziert und zeigt nun eine wellige Form im Vergleich zur kantigeren Form der alten Version (grüner Kreis und Pfeil).
Mercedes’ Spiegelhalter und Änderungen am Unterboden – Bild: Race Pictures
Ziel dieser neuen Lösung ist es, eine Reihe von Wirbeln zu generieren, um die Unterbodenkante abzudichten, damit keine Luft unter den Boden gesaugt wird und die zum Diffusor gerichtete Strömung nicht beeinträchtigt wird.
Am Mittwoch testete Mercedes außerdem ein neues Frontflügeldesign im Bereich der Endplatte: Wie das Bild unten zeigt, entschieden sich die Ingenieure, im oberen Bereich ein Winglet zu testen – sehr ähnlich zu Lösungen anderer Teams wie McLaren und Williams.
Von Mercedes in Bahrain verwendete Frontflügel-Endplatte – Bild: Race Pictures
Dieses Bauteil hilft, Wirbel zu erzeugen und die Luft außerhalb der Vorderräder zu leiten, was die Gesamteffizienz des Autos verbessert. Dennoch führte das Team lediglich Vergleichstests durch, da das Winglet – wie im Foto sichtbar – mit Klebeband fixiert war.
Ferrari mit einer cleveren Diffusor-Lösung
Zu guter Letzt brachte auch Ferrari ein kleines Upgrade an ihrem Auto: Wie im Bild unten zu sehen, nutzten die Ingenieure eine sehr graue Zone des Reglements aus und platzierten ein kleines Winglet direkt hinter dem Auspuffaustritt.
Dieses kleine Element, verbunden mit der hinteren Aufprallstruktur, lenkt die Abgase in Richtung Heckflügel und garantiert einen kleinen Zuwachs beim am Heck erzeugten Abtrieb (gelber Pfeil und Kreis).
Die alte Version wies hingegen ein einfacheres Design auf, mit zwei kleinen Winglets zu beiden Seiten der Aufprallstruktur (grüne Pfeile).
Ferraris Winglet direkt hinter dem Auspuffaustritt – Bild: Race Pictures
Abschließend haben die Teams vermutlich in der zweiten Testwoche in Bahrain eine große Menge an Updates eingeführt, um diese zu testen und Daten zu deren Auswirkungen auf die Performance zu sammeln – mit dem Ziel, einige dieser Komponenten für das erste Rennen in Melbourne zu bestätigen oder zu verwerfen.