Nur noch drei Rennen stehen in der Formel-1-Saison 2025 aus, und beim Großen Preis von Las Vegas ist auf dem gesamten Grid alles offen.
Wer wird seine Karten dicht an der Brust halten? Wer setzt alles auf Rot? Werfen wir einen Blick auf die Vorschau zum Großen Preis von Las Vegas!
Max Verstappen sicherte sich beim Großen Preis von Las Vegas 2024 seinen vierten WM-Titel in Folge – Foto: RacePictures
Entscheidender Moment im Kampf um den Fahrertitel
Lando Norris kommt in der Sin City in Topform an, mit einem dominanten Sieg beim Großen Preis von Mexiko-Stadt, gefolgt von einer ruhigen und abgeklärten Fahrt in Sao Paulo.
Dank seiner zwei Siege in Folge hat er nun einen Vorsprung von 24 Punkten auf Teamkollegen
Oscar Piastri herausgefahren, der mit zwei fünften Plätzen am Stück und einem Ausfall im Sprintrennen in Interlagos etwas ins Straucheln geraten ist.
Das Selbstvertrauen dürfte bei Norris im Vergleich zu seinem australischen Pendant auf einem Allzeithoch sein, und ein dritter Sieg in Serie würde den Briten in die Pole-Position bringen, um seine Enttäuschung aus 2024 wettzumachen.
Allerdings sorgen die kühleren Temperaturen, die in den Nächten der Nevada-Wüste hereinbrechen, bei
McLaren und ihrem Temperaturmanagement stets für Probleme, und
Max Verstappen wird den papayafarbenen Autos dicht auf den Fersen sein.
Der vierfache Weltmeister kommt in die USA mit Rückenwind nach einer beeindruckenden Aufholjagd beim Brasilien-GP, wo er nach einem Start aus der Boxengasse noch Dritter wurde. Eine solche Leistung – gepaart mit etwas Vegas-Glück – wird nötig sein, um den derzeit 49 Punkte großen Rückstand auf Norris vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi noch umzubiegen.
Nachdem er den Rückstand bereits von 104 auf nur 49 Punkte halbiert hat, will dennoch niemand gegen den Niederländer wetten, bevor er offiziell aus dem Rennen ist – und in der Stadt der Lichter ist jede Menge Magie möglich.
Konstrukteurskampf weiter am Köcheln
Nachdem McLaren beim Großen Preis von Singapur den zweiten Teamtitel in ebenso vielen Jahren fixierte, ist auch der Kampf um P2 in der Konstrukteurs-WM hochspannend.
Nach einem positiven Wochenende in Brasilien sitzt Mercedes im Kampf um Platz zwei am längeren Hebel – und die Silberpfeile haben auf dem
Las Vegas Street Circuit schon oft Grund zur Freude gehabt.
Das deutsche Team feierte zuletzt einen Doppelsieg, mit
George Russell auf dem obersten Podestplatz, und er ist bereit, dies zu wiederholen, da er eine hervorragende Saison 2025 fährt und als Vierter der Fahrerwertung mit zwei Siegen und acht Podestplätzen dasteht.
George Russell auf dem Podium nach seinem Sieg beim Großen Preis von Las Vegas 2024 – Foto: RacePictures.
Unterstützung bekommt er zudem von Teamkollege Kimi Antonelli, der mit Schwung in dieses Rennwochenende geht, nachdem er in Interlagos mit einem beeindruckenden zweiten Platz sein enormes Talent unter Beweis gestellt hat.
In der Wertung folgt Red Bull, 32 Punkte hinter Mercedes, und das österreichische Team wird auf
Yuki Tsunoda bauen müssen, um diese Lücke irgendwie zu schließen.
Der japanische Fahrer schien nach der Sommerpause seinen Rhythmus gefunden zu haben, doch als Letzter in Sao Paulo über die Ziellinie zu kommen, verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen der Red-Bull-Pilot zu kämpfen hat – Verbesserungen sind bislang kaum erkennbar.
Ferraris Rückstand auf Mercedes wuchs nach einem desaströsen Doppel-Ausfall in Brasilien auf 36 Punkte an – sinnbildlich für das verkorkste Jahr 2025 der Scuderia.
Charles Leclerc und
Lewis Hamilton besitzen zweifellos das Können, diese Lücke bis zum Großen Preis von Abu Dhabi zu schließen, doch die Frage ist, ob ihr zickiger SF-25 ihnen dies erlauben wird – beginnend in Las Vegas.
Um herauszufinden, welches Team und welche Maschine auf dem Las Vegas Street Circuit die Nase vorne haben, hier F1-Tech-Autor Francesco Bianchi!
Las Vegas: eine einzigartige Herausforderung in Bezug auf Bedingungen und Layout
Der Las Vegas Strip Circuit ist eine der außergewöhnlichsten Strecken im gesamten Kalender – nicht nur wegen des Layouts, sondern auch wegen der Bedingungen. Die Strecke zeichnet sich durch sehr lange Geraden und langsame Schikanen aus, mit nur zwei wirklich schnellen Kurven (Kurven 3-4 und die letzte Kurve).
Das bedeutet, dass die Teams in der Regel ein sehr ähnliches Set-up wie in Baku oder Monza wählen und auf maximale Endgeschwindigkeit statt Abtrieb setzen: sehr schmale Heckflügel und gestutzte Frontflügel kommen zum Einsatz, zusammen mit höheren Motormappings, um am Ende der Geraden eine konkurrenzfähige Topspeed zu erzielen.
Die Stop-and-Go-Charakteristik der Strecke belastet jedoch die Hinterreifen stark aufgrund der häufigen Traktionsphasen, während die Vorderreifen auf den langen Geraden dazu neigen, abzukühlen. Dieser Aspekt macht das Reifenmanagement in Las Vegas äußerst schwierig: Aufgrund der kalten Temperaturen (da das Rennen um 20 Uhr in der Wüste stattfindet) erreichen die Vorderreifen über die Runde hinweg nie ihr Arbeitsfenster und beginnen nach wenigen Runden zu körnen, insbesondere der weiche Reifen.
Der Las Vegas Strip ist einer der schönsten Anblicke im F1-Kalender – Foto: RacePictures.
Tatsächlich tritt Graining auf, wenn der Großteil des Reifens zu kalt ist, während sich die Oberfläche in der Kurvenphase stärker aufheizt. Dadurch beginnt der Gummi nach ein paar Runden zu rutschen, die äußere Schicht der Mischung wird beschädigt und der Grip nimmt entsprechend ab. Dieses Phänomen hat enorme Auswirkungen auf die Performance, insbesondere bei hohem Kraftstoffstand, da es zu erheblichen Rundenzeitverlusten führen kann.
Um diesem Problem vorzubeugen, bringt Pirelli an diesem Wochenende den weichen C5, den mittleren C4 und den harten C3: Diese weicheren Mischungen lassen sich bei kalten Bedingungen leichter auf Temperatur bringen und dank des hohen Griplevels des C5 können die Fahrer auf demselben Satz auch im Qualifying mehr Runden fahren, was durch den geringen Abrieb des Las Vegas Strip Circuit begünstigt wird.
Verstappen und Mercedes im Vorteil gegenüber McLaren und Ferrari
Bei der Analyse der Teamleistungen für das Wochenende sollten Red Bull und Mercedes den Mitbewerbern gegenüber im Vorteil sein.
Red Bull hat bereits gezeigt, auf Low-Downforce-Strecken besonders schnell zu sein, etwa in Monza und Baku. Der RB21 verfügt mit dem Heckflügel mit geringem Abtrieb über eine optimale Effizienz, die sehr gute Topspeed-Werte und hervorragenden Grip aus langsamen Kurven liefert.
Wie bereits in Baku könnte sich das Team dafür entscheiden, einen etwas stärkeren Frontflügel zu fahren, um das Auto spitzer zu machen – im Einklang mit Verstappens Anforderungen an den Fahrstil. Diese Wahl könnte sich in mehr Grip an der Vorderachse niederschlagen und damit über die Renndistanz weniger Graining bedeuten. All diese Elemente sollten den RB21 zum „Favoriten“ auf dem Las Vegas Circuit machen, da Bedingungen und Layout die Stärken des Autos ausspielen könnten.
Bei Mercedes hat der W16 in dieser Saison bereits zwei große Stärken bewiesen: phänomenale Traktion und eine perfekte Balance bei kühlen Bedingungen. Wenn es kalt ist, liegt das Auto in seinem Arbeitsfenster, nutzt sein volles Potenzial und muss sich keine Sorgen um Überhitzung der Hinterreifen machen.
George Russell in Aktion beim Brasilien-GP - Foto: RacePictures
Wie schon im vergangenen Jahr in Las Vegas reduzierten die kühlen Temperaturen die Überhitzung an der Hinterachse, sodass Russell und Hamilton mit wenig Aufwand einen phänomenalen Doppelsieg für das Team einfahren konnten.
Zudem sollten die starke Performance in langsamen Kurven und die Traktion beiden, Russell und Antonelli, im Qualifying einen Vorteil verschaffen, da sie in diesen Abschnitten wertvolle Zeit auf die Konkurrenz gutmachen und dank besserer Kurvenausgänge höhere Topspeeds erreichen könnten.
Infolgedessen wird der mögliche Zweikampf zwischen Red Bull und Mercedes an diesem Wochenende besonders spannend zu beobachten sein, da sie auf einer Strecke, auf der Überholen möglich ist, allesamt um den Sieg kämpfen könnten.
Für McLaren und Ferrari hingegen dürfte es aus zwei unterschiedlichen Gründen ein sehr schwieriges Wochenende werden.
Aus McLarens Sicht passt der Las Vegas Strip Circuit zu keiner der Stärken des MCL39. Die sehr langen Geraden und die wenigen langsamen Kurven verhindern, dass das Auto aus Woking seine Überlegenheit in Bezug auf Abtrieb und Reifen-Temperaturmanagement ausspielen kann – zwei Aspekte, die normalerweise auf traditionelleren Strecken zum Tragen kommen.
Darüber hinaus erschwert das sehr geringe Abtriebsniveau, das für dieses Rennen erforderlich ist, den McLaren-Ingenieuren auch das Finden des richtigen Arbeitsfensters für ihr Auto: Wie bereits in Baku gezeigt, fiel die Leistung des MCL39 aufgrund des kalten Wetters sowie des sehr glatten, griffigkeitsarmen Asphalts schwach aus.
Folglich sollte dies eines der härtesten Rennen des Jahres für das Papaya-Duo werden, wie schon im Vorjahr (weder Norris noch Piastri schafften es 2024 in die Top 5).
Oscar Piastris Crash in Kurve 5, der sein Aus im Baku-GP besiegelte - Foto: F1TV
Für Ferrari könnte die Strecke in der Sin City einige der Schwächen der SF-25 offenlegen: Der Mangel an mechanischem Grip in langsamen Kurven könnte bedeuten, dass das Auto auf dieser Strecke keine nennenswerten Stärken hat.
In diesem Zusammenhang bedeutet fehlender Grip, dass es für die Fahrer extrem schwierig sein wird, die Reifen auf Temperatur zu bringen und im richtigen Arbeitsfenster zu halten – insbesondere an der Vorderachse im Qualifying. Dieses Problem dürfte durch die in Las Vegas üblichen kühlen Temperaturen noch verstärkt werden.
Folglich könnten die Bedingungen und das Streckenlayout Ferrari und McLaren klar gegenüber
Red Bull Racing und Mercedes benachteiligen. Dennoch wird es äußerst interessant sein zu sehen, wie sich die Performance über das bevorstehende Wochenende entwickelt – in der Hoffnung auf ein weiteres großartiges Rennwochenende!
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